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„Irgendwie witzig die Geschichte“

„Irgendwie witzig die Geschichte“

Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen – so geflasht sind wir noch von der diesjährigen Langen Nacht der Literatur 2022 und unserem Diary Slam – Berlin Special.

Allen, die nicht dabei waren, sei so viel versichert: Ihr habt echt was verpasst!

Als erstes trat Josie auf die Bühne, die von ihrer Liebesgeschichte rund um Hermon erzählte. Von Berlin aus himmelte die dreizehnjährige Josie ihren Hamburger Schwarm an und benannte in ihrem Tagebuch seine schlechten Eigenschaften: „zu süß für diese Welt“ – dies war dann allerdings die einzige, die sie aufzählte.

Eigens aus Berlin war Nadine F. angereist und las aus ihrem Tagebuch aus dem Jahr 1993 vor, in dem sie sich – damals erst 14 Jahre alt und in der Kleinstadt wohnend – nach Größerem sehnte: „Ich würde gerne mal weg. So nach Bochum, Köln oder Kassel oder so. Irgendwohin, wo mich keiner kennt, wo ich noch einmal von vorne anfangen kann.“

Kay, der den Diary Slam in Berlin organsiert, wollte im Jahr 1986 ganz schnell erwachsen werden „um geile Feten zu feiern.“

Und Freddi wollte im Alter von 14 Jahren eigentlich nur bewundert werden: „Mein

Gott, wie würde Lara staunen, wenn ich auf einmal Schminke von Margret Astor, Ellen

Beatrix, Chicogo oder Marbert hätte. Sie wäre neidisch.“

Ins Stechen kamen Kay und Freddi.  Und als wäre das nicht schon spannend genug gewesen, segelte Sven samt durchgebrochenen Stuhl von der Bühne. Nach diesem Schreckmoment, bei dem unserem standfesten Moderator zum Glück nichts weiter passiert ist, konnte der strahlende Gewinner gekürt werden: Kay!

Danke für diesen großartigen Abend den Gästen, den Leser.innen, der Langen Nacht der Literatur, dem Goldbekhaus und den Organisator:innen!

Unser nächster Termin im Goldbekhaus ist der 03.12.2022. Tickets gibt es bald im VVK.

„I love Mr. Geil“

„I love Mr. Geil“

Der 102. Diary Slam war so rappelvoll wie in Vor-Corona-Zeiten, was die Stimmung wunderbar aufpeitschte. Zu Beginn las Nadine aus ihrem Tagebuch eine tragikomische Liebesgeschichte, die sie als 16-Jährige durchlebte: „Ich habe ihn kennengelernt, den geilsten Mann, den ich kenne“, der ihr eindeutige Blicke zu warf: „Vielleicht nur abwertend, aber egal.“
Julia, die zum ersten mal ihre Tagebücher der Öffentlichkeit präsentierte, verfasste diese mit einem Kuli, der „nach Marienkäferpisse roch“, verknallte sich in sämtliche Hobbit-Schauspieler nacheinander und sinnierte mit pubertärem Pathos: „Heute entscheidet sich alles in meinem Leben“. Ebenfalls Diary-Slam-Neuling Selina steckte sich schon als Zehnjährige wichtige Ziele: „Ich will erwachsener werden, vernünftiger, einfach meinem Alter entsprechend“ und verlas im Anschluss eine lange „Liste derjenigen, die ich beißen würde, wenn ich Tollwut hätte“.
Ella hingegen brachte dem Publikum eine 6 Wochen dauernde Teenie-Beziehung in den Neunzigerjahren nahe, die mit dem Fazit endete: „Wir haben uns immer noch so viel zu sagen nach all den Tagen“.
Im bejubelten Stechen zwischen Julia und Ella gewann erstere souverän den Titel als Slam-Champion August.
Glückwunsch und Dank an alle, insbesondere an unseren Moderator Sven Onken, der wieder mal eine wortgewaltige Granate war!
Berlin Special am 3.9.2022 zur Langen Nacht der Literatur

Berlin Special am 3.9.2022 zur Langen Nacht der Literatur

Ein Tagebuch ist wie ein guter Schinken: Eine Zeit lang abgehangen, gewinnt es an Reife. Und mit ein paar Jahren Distanz lässt es sich so richtig schön genießen. Deshalb ist das Tagebuch viel zu schade dafür, verlassen auf Dachböden und in Kellern vor sich hin zu modern. Der Diary Slam bietet Tagebüchern eine Bühne, denn dort lesen Menschen öffentlich aus ihren jugendlichen Aufzeichnungen vor und versetzen das Publikum zurück in die Vergangenheit. Bei unserem Berlin Special zur Langen Nacht dre Literatur, lesen vier Berliner:innen aus ihren Tagebüchern vor: Kay, Nadine F., Freddie und Josi! Moderiert wird der Abend von Sven Onken.

Karten gibt es im Vorverkauf für 9,- Euro zzgl. Gebühren sowie an der Abenkasse für 10,-Euro.

Gefördert wird die Veranstaltung durch Neustart Kultur

 

„Hungary is out, Ballermann is in“

„Hungary is out, Ballermann is in“

Der 102. Diary Slam war wieder ein Fest der Tagebuchergüsse aus drei Jahrzehnten!

Außer Konkurrenz berichtete Ella von ihrem wildesten Sommer im Jahr 1995, als sie mit René zusammen war, dennoch mit anderen Jungs  herumfüßelte und -schnäbelte und sich am Ende selber lobte: „Ich bin René treu geblieben. Das war gut von mir!“

Yvonne hatte ein Best-of ihrer Einträge von 1998 bis 2013 zusammengestellt. Am 30.4.2004 schrieb sie als 15 Jährige: „Ficken, scheiße, warum muss immer so schnell alles so fuckig, befickt, SCHEISSE werden??? Alles ist zum Kotzen, gehe morgen nicht zur Kirche, fickt euch!“

Nadine nahm uns mit auf eine jährliche Urlaubsreise nach Ungarn – mit Familie und bester Freundin. „Wir sitzen hier immer noch und können die Langeweile gar nicht beschreiben. Noch 6 Tage, dann sind wir endlich wieder daheim“, schrieb sie in ihr Tagebuch und wünschte sich nicht sehnlicher, als im nächsten Jahr mal an einen anderen Urlaubsort mit Action und „geilen Jungs“ zu fahren.

Lana, die zum ersten Mal auf der Diary Slam-Bühne war und selbst kaum die Jugend hinter sich gelassen hatte, erzählte: „Ich bin für die nächsten Tage Pescetarierin. Meine Mutter hat mich am Frühstück daran erinnert, dass ich keine Wurst essen darf.“

Nachdem die beiden Jurymitglieder zum ersten Mal in der elfjährigen Diary Slam-Geschichte nach der Pause nicht mehr anwesend waren, durften alle drei – Yvonne, Nadine und Lana – einen weiteren kurzen Einblick in ihre Tagebücher gewähren.

Mit ihrer Hommage an die letzten Seiten ihres Tagebuchs konnte Nadine den Diary Slam-Titel Juni 2002 für sich entscheiden.

Herzlichen Dank an die Teilnehmerinnen und Ella für die Moderation! Wir sehen uns im August wieder – im Juli machen wir eine wohlverdiente Sommerpause!

„Traurig sein, kann ich auch mit 30“

„Traurig sein, kann ich auch mit 30“

Was war das für ein fantastischer Abend bei unserem Österreich – Deutschland Special! David und Constanze haben uns tief in ihre österreichische Kindheit und Jugend mitgenommen und Alice und Jens hielten von deutscher Seite mit ihren Pubertätserlebnissen dagegen.

Den Auftakt machte Jens, der uns in seine Hamburger Jugendzeit der 60er Jahre entführte. Neben der Liebe („Angelika küsst schon besser“) reflektierte er in seinen Tagebüchern auch sportliches: „11. Februar: Der HSV hat sich wieder mal ein schwaches Spiel geleistet.“

Auch in Constanzes Tagebuch der 90er Jahre ging es ums Küssen, so schreibt sie am 23.4. von ihrem Freund: „Ein Problem gibt es mit Peter. Er küsst so ekelhaft. Ich kann ihn doch nicht aufgeben, weil er so eklig küsst.“

Alice trat als Dritte auf die Bühne und hatte 1991 einen ganz besonderen Nebenjob in ihrer fränkischen Heimat, der ihr einen Eintrag ins Tagebuch wert war: „In der Wurstfabrik ist es echt zum Kotzen. Mal mehr, mal weniger.“

Um das österreichische Flair zu untermauern, las David einen Eintrag von 2006 vor, bei dem er im zarten Alter von 12 Jahren „zum ersten Mal“ in seinem Leben „Red Bull“ trank. „Ich war high,“ stellte er in seinem Tagebuch fest und glaubte fest daran, dass in Red Bull Stierhoden-Extrakt enthalten sei.

Ins Stechen beförderte die dreiköpfige Jury Alice und David. Beide packten nochmal ihre besten Textstellen aus. So schrieb Alice im Jahr 1990: „Ich finde meine neue Swatch ist genau mein Charakter: etwas bunt und modern, doch etwas zeitlos und nicht so auffallend.“ Und David, der sich auf einer Skifreizeit den Arm gebrochen hatte: „Tag 5 mit gebrochenem Arm. Ich stinke schon ein wenig.“

Team Österreich konnte so charmant den Sieg einfahren! Wir gratulieren von ganzem Herzen und sagen, dankeschön, an David, Constanze und Diana, der Macherin des österreichischen Diary Slam Pendants für ihren Besuch in Hamburg, gefördert durch „Neustart Kultur“.

Wir freuen uns jetzt schon auf einen Gegenbesuch irgendwann und sagen bis dahin: Servus und Tschüß!

„Momentan ist Heulen mein Hobby“

„Momentan ist Heulen mein Hobby“

Der 100. Diary Slam war ganz besonders stimmungsvoll – auch weil der Grüne Jäger Luftballons, Blumen und Gratis-Sekt springen ließ. Zu Beginn las Barbara aus ihrem Tagebuch aus Studententagen, in dem sie morgens öfter mal einen „seelischen Kater“ hatte, sich in ihrer Clique pudelwohl fühlte („Ich war stolz auf meine redegewandten Freunde“) und ihren Schwarm, von dem sie lediglich den Straßennamen wusste, per handgeschriebener Plakate suchte, mit denen sie dessen Straße zupflasterte.
Yvonnes Liebesziele waren dagegen kleiner gesteckt, als sie in den 90ern ihrem Tagebuch anvertraute: „Ich will mal Alex einfach in die Augen schauen. Abgedreht, was?“ Ihre eigentliche Sorge war eher, dass ihr Vater entdeckte hatte, dass sie sich „Sexsites“ auf dem Familien-Computer reinzog.
Imke begründete ein ganz neues Diary-Slam-Genre: Sie las aus einem Brief, den sie sich mit 15 Jahren zu ihrem 25. Geburtstag geschrieben hatte, voller Träume und Ernüchterung zugleich: „Ich bin mir eigentlich heute schon sicher, später keine Schriftstellerin geworden zu sein.“
Und Alice gab eine Fluch-Suda auf ihre Eltern zum Besten, in der Missverständnisse und Verwünschungen einander täglich abwechselten, worauf sie weise das Fazit zog: „Vielleicht nennt man diesen Teufelskreis einfach Pubertät.“
In einem pointenstarken Stechen zwischen Yvonne und Alice ging letztere am Ende als 100. Diary Slam Champion hervor – Glückwunsch und Dank an alle, insbesondere an unseren Moderator Sven!

„Deutschland vs. Österreich: Der länderübergreifende DIARY SLAM“ am 17. Juni 2022 um 20 Uhr

„Deutschland vs. Österreich: Der länderübergreifende DIARY SLAM“ am 17. Juni 2022 um 20 Uhr

Das Hamburger Diary Slam-Urgestein lädt die österreichischen Kolleg:innen zu einem Gastspiel ein. Am Freitag, den 17. Juni 2022 treten Österreichs beste Slammer:innen gegen deutsche Diary Slam-Größen an.

Seit 2013 gibt es den erfolgreichen, österreichischen TAGebuch Slam in Wien und anderen Bundesländern, die durch eine fünfteilige Sendung im ORF Berühmtheit erlangt hat.

Diana, Constanze und David reisen mit ihren Tagebüchern an, und geben an diesem Abend einen Einblick in ihre österreichischen Jugend- und Pubertätserlebnisse.

Durch den Slam führt unsere norddeutsche Moderationsikone Sven Onken.

Gefördert wird die Veranstaltung durch Neustart Kultur.

Freitag, 17. Juni 2022

Einlass: 19.00 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr

Veranstaltungsort: Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9 | 22301 Hamburg-Winterhude

Eintritt:

AK 10,- Euro

VVK 9,- Euro zzgl. Gebühren. Tickets gibt es hier.

Foto: Diana Köhle, (c) Anna Konrath

 

Zu den Akteur:innen des Abends:

Diana Köhle, geboren 1980, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in den Tiroler Bergen. Sie hatte dort wenig Gleichgesinnte, daher viel Zeit zum Tagebuch schreiben und Schwärmen für unerreichbare „boys“. Mittlerweile ist sie vom Landkind zur Stadterwachsenen mutiert. Seit 2013 veranstaltet und moderiert sie in ganz Österreich Tagebuch Slams.

www.liebestagebuch.at

David, Jahrgang 1993, schreibt eigentlich immer. Beruflich, privat, für die Uni, auf WhatsApp, für die Bühne, Lustiges und Ernstes, im Zug, auf der Couch, im Urlaub und wenn es sich dann noch ausgeht, immer noch manchmal Tagebuch. Es gibt ja auch immer etwas zu erzählen.

Constanze, geboren 1980, kommt aus Wien und wuchs in einer ehemals berüchtigten Wohnsiedlung am Stadtrand auf. Ob Grapschen im Stiegenhaus oder Italienurlaub – ihre Tagebucheinträge drehen sich ausschließlich um Jungs! Und Prinzessin Fantaghiró.

Alice Beyer, geboren 1976, hat in ihrer mittelfränkischen Dorfjugend versucht, den Sinn des
Lebens in allem und jedem zu finden. Ihre Tagebücher waren dabei die wichtigsten Dialogpartner, wenn wieder mal alles zeitgleich und durcheinander gelaufen ist.

Jens Gärtner, Jahrgang 1951, Persönlichkeitstrainer und Autor im Writersroom Hamburg, schreibt Romane, Erzählungen und über ambigue Begegnungen in seinem Blog www.begegnungentexte.com.

Sven Onken: Seit der ersten Diary Slam Stunde in Hamburg moderiert Sven Onken charmant unsere Tagebuchschlacht. Auch wenn er nur einen einzigen Tag in seinem Leben Tagebuch geführt hat, und bei den schnöden Alltagsbeschreibungen schnell gemerkt hat, dass Tagebuchschreiben nichts für ihn ist – sorgt dieser einzige Eintrag regelmäßig für Lacher. www.diaryslam.de

 

„Ich bin einmal mit Pascal gegangen. Aber nur 45 Minuten“

„Ich bin einmal mit Pascal gegangen. Aber nur 45 Minuten“

Was für wunderbare Einblicke in Tagebücher gab es am Mittwoch bei unserem 99. Diary Slam! Im wieder gut gefüllten Grünen Jäger traten vier furchtlose Vorleser:innen vors Mikro.

Als erstes kam Nadine auf die Bühne, die mit 15 Jahren am Valentinstag eigentlich so vielen Jungs sagen wollte, dass sie sie liebe – auch Leonardo di Caprio.

Danach las Markus seinen Steckbrief aus beepworld-Zeiten vor, bei denen er auf seiner Webseite seinen Spitznamen „Don Marc“ preisgab sowie sein Lieblingsreiseziel: Stuttgart.

Aus dem Jahr 2000 erzählte Carina dem Publikum, dass sie als 9jährige mit ihrer Freundin Bürokauffrau spielte. Drei Jahre später hatte sie dann bereits andere Hobbies: „Heute hab ich nichts gemacht. Nur an Marnie gedacht.“

Whitneys Hobbys waren Anfang der 2000er Jahre TV, shoppen und lesen und das wichtigste in ihrem Leben ihre Freunde und ihr Schwarm. Doch dieser machte es ihr nicht ganz einfach. Sie beschimpfte ihn in ihren Tagebüchern auf Deutsch und Französisch mit: „Du Volltrottel! Denkst wohl, du kannst mich als Ersatzfreundin benutzen?“

Im Stechen zwischen Carina und Whitney konnte sich letztere mit ihren Einträgen durchsetzen. Herzlichen Glückwünsch zum neuen Tagebuch, Whitney! Und natürlich einen herzlichen Dank an unseren besten Moderator: Sven!

Save the date: Nächster Diary Slam im Grünen Jäger am 25.5 (unser 100. Slam!!!) und ein tolles Special am 17.6 im Goldbekhaus – Karten dafür gibt es hier!

„Zum Thema Alkohol kann ich nur sagen: Es ist geil!“

„Zum Thema Alkohol kann ich nur sagen: Es ist geil!“

Nach coronabedingter Winterpause war der 98. Diary Slam im Februar ein wunderbares Comeback. Zu Beginn las Ella im gut besuchten Grünen Jäger aus ihrem Tagebuch, dass ihr Schwarm ihr an den Body gegangen sei: „Aber warum hatte ich den nur an? Da konnte er doch gar nicht drunter!“
Amara war zum ersten Mal bei einer Tagebuchlesung und traute sich gleich auf die Bühne. Sie reflektierte über ihre Mutter: „Ich hoffe, ich sehe nicht aus wie meine Mama später! Ein Augenschmaus ist sie ja nicht gerade …“
Feli las aus ihren 50 Jahre alten Liebesbriefen, als ihr Boyfriend eine neue Wohnung fand: „Ist in dem geplanten Vögelzimmer keine Heizmöglichkeit?“
Und Alice – ebenfalls zum ersten Mal auf der Diary-Slam-Bühne – ließ das Publikum daran teilhaben, wie sie für sich einen neuen Lebensstil kreierte: „Gerade habe ich mein Geschichtsbuch in einem Poster von Slayer eingeschlagen, auch wenn ich diese Band gar nicht kenne!“
Im Stechen zwischen Ella und Alice gewann letztere haushoch. Glückwunsch und Dank an alle, insbesondere an unseren wortgewaltigen Moderator Sven!