Tagebuch

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„Ich will richtig geil aussehen“

„Ich will richtig geil aussehen“

Beim 77. Diary Slam las Ella aus ihrem Tagebuch von Racheplänen an ihrem On-Off-Freund, dem sie zum Geburtstag ein Leberwurstbrot ins Gesicht klatschen wollte, wenn er ihr nicht endlich einen Liebesbrief schrieb.
Kerstin freute sich als Heranwachsende über „endlich Videotext“ und peppte ihre eher ruhigen Jugendjahre gerne mal mit Erlebnissen anderer auf: „Wenigstens ETWAS Gutes ist passiert: bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten!“
Kristina bekannte sich in ihrem Tagebuch freimütig als „fies“, war darin aber durchaus selbstreflektiert: „Ich gönne ihr die guten Noten nicht.
Ich gebe meine Gedanken wenigstens zu, ich hätte sie ja auch nicht aufschreiben müssen.“
Und Angela beäugte sich permanent kritisch: „Ich sehe nur von weitem gut aus.“ Akribisch listete sie „alle Fehler meines Körpers“ auf, darunter: „zu große Schilddrüsen“.
Im Stechen zwischen Kerstin und Angela ging erstere schließlich als Diary Slam Champion nach Hause. Glückwunsch und Dank an alle!

„Schnee gibt mir den Kick von Weihnachten“

„Schnee gibt mir den Kick von Weihnachten“

Nicht nur auf Halloween-Partys gab es am 31.10. Grusel und Gänsehaut, sondern auch beim 76. Diary Slam:
Zum Auftakt las Martina aus Briefen, die sie als Pubertierende an sich selbst geschrieben hatte, „um mich zur Vernunft zu bringen“, zum Beispiel, statt dauernd an Jungs zu denken: „Kümmere dich lieber um deine Katze!“
Auch Feli brachte stapelweise Briefe mit, verfasst an ihre Jugendliebe, eine prickelnde Fernbeziehung zwischen Hamburg und Schwaben: „Du scheinst ein bewegtes Leben zu führen. Ich aber auch!“
Sarah verabredete sich in ihrer Jugend über Chat-Foren für „Blind Dates“ mit Unbekannten, über deren Äußeres sie dann im Tagebuch ächzte: „Ich stehe doch eher auf eng anliegende Ohren und Augen, die noch halb im Kopf liegen.“
Und Anika zeigte, was es bedeutete, in den frühen 90ern in der brandenburgischen Provinz aufzuwachsen. „Gestern war wieder nichts los“, lautete ihr häufigster Tagebuchsatz. Der einsame Höhepunkt: „Am Samstag habe ich mir von meinem Ersparten ein neues Sparschwein gekauft.“

In der Finalrunde zwischen Martina und Feli konnte sich letztere, bereits zum 2. Mal, den „Slam Champion“-Titel sichern. Glückwunsch und Dank an alle – auch an MC Sven Onken!

„Ich möchte Petting. Scherz! Ich bin erst 12″

„Ich möchte Petting. Scherz! Ich bin erst 12″

Trotz des Ausscheidens der deutschen Fußall-Nationalmannschaft war die Stimmung beim 74. Diary Slam blendend. Mit fünf LeserInnen wurde der Abend eine Hommage an gleich vier Jahrzehnte, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Den Anfang machte Kkoki, die in ihren Tagebüchern aus den frühen Zehnerjahren immer wieder Listen anlegte und sich einen Freund wünschte, der „hetero, spaßig, witzig, musikalisch, modebewusst und christlich“ ist.

Raphael führte uns ins Jahr 1990, in dem er Philosophie in Münster studierte. In seinen tiefgründigen Texten nahm uns der selbsternannte „Lausepelz“ mit in ein Café, in dem er „wie ein fauler Gymnasiast“ Buch um Buch verschlang.

Jiyan katapultierte das Publikum zurück in die Nullererjahre, als ihr der siebenjährige Ben Liebesbriefe schrieb, in denen er bereits wie ein Teenager klang: „Ohne dich ist die Welt nur schwarz und weiß.“

Sonja nahm uns mit ins Jahr 1988, wo ihre Geschichte rund um ihren Schwarm Olaf Fortsetzung fand und sie beim Ausgehen „besoffen sein“ spielten.

Zum Schluss kam Nadine auf die Bühne, deren Herz – fast auf den Tag genau vor 20 Jahren – von ihrem großen Schwarm gebrochen wurde. Doch kurz darauf schmiedete sie bereits Rachepläne: „Ich würde mich total umstylen lassen und dann würde mich M. voll süß finden, aber ich würde ihn dann abblitzen lassen.“

Kontrastreicher konnte das Stechen nicht ausfallen: Kkoki mit ihren erfrischend jugendlichen Texten und Raphael mit seinen philosophischen Betrachtungen eroberten die Herzen der Jury. Am Ende kürte das Publikum Kkoki zum „Diary Slam-Champion Juni“.

Was für ein versöhnlicher Abend!

Der nächste Diary Slam findet nach einer Sommerpause im Grünen Jäger am 29. August 2018 statt.

Das Buch zum Diary Slam

Das Buch zum Diary Slam

Wer erinnert sich nicht mit Schrecken, Scham, aber auch mit Wehmut an die langen, aufreibenden Jahre der Jugend? Als einem plötzlich Haare an den unmöglichsten Stellen wuchsen und man vor Verliebtheit fast platzte. Als die Eltern zum Inbegriff der Spießigkeit wurden und jede Sportstunde zur Folter.  Als man weit hinaus in die Welt wollte, aber die Reise gleich hinter der nächsten Tankstelle endete.

Die herrlichsten Geschichten kommen hier endlich ans Tageslicht! Über 70 BeiträgerInnen, zwischen 1970 und 1990 geboren, sind in diesem Buch versammelt.

 

Als Taschenbuch, E-Book und Hörbuch erhältlich:Das Beste aus Jugendtagebüchern

Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen. Das Beste aus wieder ausgegrabenen Jugend-Tagebüchern“ S. Fischer Verlag von Ella Carina Werner und Nadine Wedel

Lesungsanfragen: mail@diaryslam.de